DIE (WAHRE) GESCHICHTE VOM HÄSSLICHEN ENTLEIN

TREUES,HÄSSLICHES ENTLEIN: ANNIE JOHNSON

In den Annalen der frühen Seefahrts- geschichte fand der GAGA – Marinehistoriker die Datenblätter antiker Frachtdampfer. Im verregneten April des Jahres 1969 rutschte für die Johnson Linie das Containerschiff „Annie Johnson“ bei „Wärtsilä“ in Finnland ins frostige Wasser. Viele Jahre transportierte die treue Annie, Konsumgerümpel über die Meere, zusammen mit ihrem Schwesterschiff, „Axel Johnson“, die schon im Januar vom Helgen direkt in die Eisschollen getunkt worden war. Tief im Bauch der Frachter rumpelten solide, vibrationsintensive Diesel aus dem Hause „Pielstick“. Mit den Jahren nahmen die Unterhaltskosten für Rostschutzfarbe, ausgeleierte Maschinenlager, marode Öl - Schläuche und funkensprühende Elektroinstallationen weiter zu. Die erschöpften Dampfer wurden verkauft.

NUN EIN WEISSER SCHWAN: COSTA ALLEGRA

Zunächst landeten die Schiffe in den Händen griechischer Spekulanten. Der „Universal Glow Inc. Piräus (1986 Zypern – Flagge) und der Peleus Marine Co. . Hier rosteten die betagten Zossen vor sich hin, bis sie schließlich an eine weitere Briefkastenfirma, die CIA NAV Panalexandra SA in Panama verschoben wurden. Während dieser Reise durch die frisierten Bücher diverser seriöser Schiffsgesellschaften trugen die Frachter so hübsche Namen wie, „Regent Moon“, „Alexandra“, „Regent Sun“ oder „Sea Venture“. Unmittelbar vor Auflösung der Stahlkonstruktion wurden die braven, häßlichen Entlein in wunderschöne, weiße Schwäne umgebaut. Das war so um 1987. Statt Containern voller Schweinehälften und Chinaspielzeug, sollten die zwei aufgehübschten Schwestern nun Fahrgäste voller Kreditkarten als Fracht an Bord nehmen.

WAR AUCH BILLIG ZU HABEN: KÄPTN CRETINO ODER WIE DER HEISST......

Die Dampfer waren billig zu haben, genau das richtige für die COSTA – Linie. Seit 1990 fräsen sie als „COSTA – Marina“ und „COSTA – Allegra“ mit gutgelaunten Fahrgästen durch die Weltmeere. Die Freude war ungetrübt, bis der brandneue Super – Liner „COSTA – Concordia“ von Kapitän Francesco Cretino (Name unwesentlich angepasst...) aufgelegt wurde. Jetzt sind die Kreuzfahrer hellhöriger geworden. Obwohl auch fast taube Passagiere das spastische Zittern der 43 (dreiundvierzig) Jahre alten Pielstick – Diesel deutlich vernehmen, welche die Cocktails auch im lichtdurchfluteten 6. Obergeschoss gründlich durchshaken.

SCHLÄUCHE UND MUFFEN MAL NACHZIEHEN, IST DOCH KEINE AFFÄRE......

Das Feuerchen im Maschinenraum der „Costa – Allegra“ sollte man nicht überbewerten. Es muß jetzt halt, nach knapp zwei Generationen, mal einer in den Keller steigen und die alten Schläuche und Muffen nachziehen. Bei der Gelegenheit lohnt sich sicher auch ein flüchtiger Blick auf Kurzschlüsse und Durchrostungen. Ist doch keine Affäre. Wir verfahren ja mit unserer Währungs- gemeinschaft auch nicht anders: Wenn´s endlich brennt, mal nachsehen, wo war doch gleich der Feuerlöscher....?