DAS RECHT ALS SCHWANK

Mit seltsamer Zähigkeit halten sich „Gerichts – Shows“ im Pri- vatfern- sehen. Weit entfernt von unter- haltsa- men Volksschwänken der Vergangenheit, geben sich echte Juristen für ein Format her, das bedenkliche Tendenzen zeitigt. Es scheint, daß vor einem autoritätshörigem Prekariat der Zeigefinger mit Bittermine, erhoben werden soll. Offensichtlich mit Fördergeldern aus dem Propagandaministerium, wird täglich und häufig ganz in „Struwelpeter“ – Manier dem Pack auf der Straße mühsam erklärt, was man darf und was nicht.

MONUMENT DES RECHTS...

Das Szenario ist so simpel und weltfremd, wie einst im Kaspertheater. Das ist nötig, denn die Zielgruppe ist noch bildungsferner. Da haben wir den unfehlbaren Richter. Eine unerschütterliches Monument des Rechts, wie aus dem Kinderbuch. Eine Institution, bei der selbst Gott gelegentlich um Rat nachsuchen muß. Da haben wir die Stereotype eines unversöhnlichen Schlachterhundes, den Staatsanwalt.

Manchmal, noch unversöhnlicher – eine Schlachter- hündin. Sie bellen – schuldig oder nicht - jeden Angeklagten aufs Schafott. Sie sind fleischgewordene Richtschwerter. Ihnen entgegen stellt sich in Todeverachtung die Verteidigung. Um der Wahrheit zum Recht zu verhelfen, zaubert sie immer wieder mal einen absurden deus ex machina aus dem Hut. Es sei denn, der Angeklagte erfüllt alle gängigen Gauner – Klischees, dann geht´s in den Schacht.

IMMER DIE DEPPEN - DIE ANGEKLAGTEN...

Und dann: die Angeklagten. Unabhängig vom Geschlecht verkörpern sie das „Volksböse“. Sie sind immer die Deppen und ahnungslos mit wem sie sich da anlegen. Sie haben keine Chance. Justitia siegt. Aber nur im Fernsehen. Nur im Fernsehen ist es auch möglich, daß unbequeme Zeugen lebend den Gerichtssaal verlassen. Im richtigen Leben kommen sie dort lebend erst gar nicht rein. Nur im Fernsehen brechen die finstersten Figuren durch bloßes Anherrschen durch den Staatsanwalt zusammen und gestehen alles.

EINFACH NUR ANHERRSCHEN...
...GAUNER GESTEHT PROMT !

Nur in diesem Gerichts – Kaspertheater trifft es immer den oder die Richtige. Im Buch der Realität lesen sich Prozess- akten dann doch anders. Da entschei- den höhere Interessen als die von Recht und Unrecht über den Ausgang des Verfahrens. Bedenklich, daß wirkliche Juristen so bedenkenlos an der Fiktion vom Recht vor Gericht mit mörteln. Und zwar im Tages- sozusagen Infusionsbetrieb.

Noch vor kaum einem Menschenalter hätte man dem Publikum dergleichen nicht anbieten können. Aufschlußreiches Dokument ist das Königlich  Bayerische Amtgericht.

EHRLICHE JUSTIZ ZUM ANFASSEN...

Hier erlebt der Zuschauer bürgernahe Justiz und Lebenswirklichkeit.

Die Gerichts – Klamotte der späten 60er bietet ein getreueres Abbild der sogenannten Gerechtigkeit, als die heutige, bierernste Verballhornung der Wirklichkeit. Naja, vielleicht ist das Fernsehen für Juristen so etwas wie Brüssel für Politiker. Das würde vieles erklären oder nein – eigentlich alles!