GANZ SCHÖN BILLIG.......

Immer auf die Schnauze. Discounter unter Beschuß.

„Majestät, die Armen verhungern, sie haben kein Brot mehr...!" – „Dann sollen sie gefälligst Kuchen essen!" Dieses erlogene Bonmot wird bis heute gern Marie Antoinette zugeschrieben. Auf einem der peinlichen Höhepunkte der sogenannten Französischen Revolution, wurde ihr und ihrem Gatten, Ludwig XVI. denn auch „verdientermaßen" der Kopf abgetrennt. Nicht erlogen, sondern dokumentiert ist die TV – Dokumentation, „Hauptsache billig!", des Herrn Mirco Tomic, deren Aussage, unter dem Strich, die gleiche ist. Während die vollbeschäftigten Teutschen, bei immer mehr Schufterei, immer weniger verdienen, ruft Großverdiener Tomic zum Boykott der Discounter auf. Kein Problem für ein überversorgtes Wohlstandskind, den mickrigen Ökoblumenkohl für 4,98 EUR zu kaufen oder Hemdchen für 239,50EUR, von der fair bezahlten Textilkünstler – Familie oder von teutschen Chefingenieuren handgeschraubte Laptops für 9498,00EUR, - eben Kuchen statt Brot. Der Realitätsverlust der königlichen Familie, im revolutionären Paris, 1790 machte kaum den Bruchteil der arroganten Weltferne des Herrn Tomic aus. Die überwältigende, absolute Mehrheit, selbst der arbeitenden Bevölkerung, lebt stattdessen in der Wirklichkeit. Und die ist teuer. Nach Abzug aller Steuern, Nebenkosten, Versicherungen, Gebühren und EU – Schutzgelder, ist es für die meisten Arbeitnehmer besser, nicht auch noch ein Auto oder sogar lebende Kinder zu haben. Das Auto säuft,  die verdammten Kinder wachsen. Und beides zu schnell, um sich den Luxus zu leisten, noch ein paar Näherinnen in Bangladesch durchzufüttern. Genau wie während der Französischen Revolution sind es nicht die Armen und Geknechteten, die von Aufruhr, Boykott und Umsturz faseln, sondern durchweg saturierte, verzogene Bengelchen und Dämchen, die mit dem Vielen, das sie den Anderen ohnehin schon voraus haben, noch nicht zufrieden sind. Heute leider nicht mal vom Format eines Mirabeau oder Lafayette. Eher von der grausigen Penetranz eines Robespierre, Saint Just, Danton oder so gefährlich versponnen wie Rousseau.

Schreckbild des saturierten Gutmenschen. Robespierre: "Wir wollen einen neuen Menschen machen..."

Auch unter den heutigen Frauen der „Befreiungsfront“ finden wir keine Madame de Stael mehr, sondern nur noch Künast & Co. Aus diesen Reihen tritt uns auch diese Fernsehdoku für weltfremde Gutmenschen entgegen. Die Argumente sind erbärmlich schwach und so phantasielos wie das Vorweihnachtsprogramm zu Spendenaufrufen für die dritte Welt. Wir sehen knopfäugige Kinder unter harten Arbeitsbedingungen im Näh – KZ. In der sengenden Hitze in Almeria ächtzen schwarze Sklaven im Paprika – Ernte - KZ für „NETTO“ und schließlich bei schummriger Beleuchtung kleine, geduckte Chinafrauchen im Computer – Montage – KZ.

Wohnquartiere im Paprika - KZ - Almeria. Die Säulen unserer Gesellschaftsordnung.

Das zeigt der moralinsaure teutsche Journalist gern. Er ist das Ergebnis der Metamorphose vom Meister des Todes aus Deutschland zum moralischen Herrenmenschen, der nach Gut- (menschen) dünken auch den Tyrannenmord beschließen kann. Z.B. an Gaddafi, Hitler, Ackermann oder anderen Heuschrecken. Oder für den Anfang erst mal den Discountermord. Ganz klar gesagt: Die dargestellten Produktionsbedingungen entsprechen sicher der tragischen Wirklichkeit. Tragische Wirklichkeit ist aber auch die Unverzichtbarkeit dieser bitteren Ausbeutung, selbst wenn wir in den Kolonialherrenländern unseren Lebensstandard auf den der 70er Jahre reduzieren würden. Tatsächlich wollen wir aber immer mehr, immer schneller, immer weiter und noch billiger. Bei steigender Population. Makabre Ironie: Mirco Tomic hätte seine philantropische Schnulze ohne Sklavenarbeit in der dritten Welt erst gar nicht erstellen können. Vollgepackt mit Aufnahmetechnik aus China und Taiwan (garantiert Kinderarbeit) düst er auf Kosten der GEZ – Beitragszahler rund um die Welt, um den Niedriglohnknechten in seiner Heimat ihr Einkaufsgewohnheiten um die Ohren zu hauen.

Sklavenarbeit: China Airbus, düst auch mit GEZ Beiträgen Journalisten um die Welt.

Fürwahr ein Luxus. Don Quijote, auch ein Kämpfer gegen das Böse, erhielt sich wenigstens seine Selbstachtung als Edelmann und beschränkte sich bei seinem Feldzug gegen die Windmühlen auf seine eigenen Ressourcen. Wie wär´s, Herr Tomic, Sie gehen mal mit einer 5 Köpfigen Familie aus dem Ruhrpott oder Berlin Kreuzberg einkaufen. Vielleicht entdecken Sie dort Stoff für eine weitere TV-Doku. Z.B. „Wie ich lernte den Discounter zu lieben“ Die Bombe haben wir seit Stanley Kubricks „Dr. Seltsam“ ja schon lieben gelernt. Aber stattdessen wird der gutgemeinte Schmus weiter durch die dritten Programme wandern und diverse, mündige Bürger werden sich in ihren teuren Büffelleder Fauteuils räkeln und wissen, dass sie wieder etwas gesellschaftlich relevantes erfahren haben. Keiner von denen, schon gar nicht Herr Tomic, würde jedoch auf die Vorzüge unserer verfetteten Gesellschaftsordnung verzichten, an denen da so naiv gesägt wird. In diesem Zusammenhang finden sich auch noch ein paar bittere Hinweise im letzten Teil von GAGA – Naturschutzlüge und GAGA – Kracht der Euro? GAGA wünscht weiter viel Spaß beim Shoppen!