NOCH´N GEDICHT

COURAGE UNERWÜNSCHT: HÄRETIKER SARRAZIN

Es fällt auf, daß besonders exponierte Persönlichkeiten erst mit zunehmendem Alter sich getrauen, die Früchte ihres Nachdenkens auf den Markt zu tragen. So etwas schätzt man in Teutschland nicht, besonders in den letzten 79 Jahren. Seit die Gewalt sich in Händen des „gesunden Menschen- verstandes“ befindet. Namen wie Helmut Schmidt, Martin Walser, Philipp Jenninger, Rolf Hochhuth oder Thilo Sarrazin, stehen für das späte, unangenehme Ausbrechen aus vorgefertigten, vaselinebeschmierten Meinungsmustern. Sie alle haben irgendwann einmal in den Spiegel gesehen (nicht den „Spiegel“....), konnten den Brechreiz nicht länger ertragen und fingen an zu sagen was, ihrer Ansicht nach, gesagt werden mußte.

WIR WERDEN JA SEHEN WER HIER DIE RICHTIGEN ANSICHTEN HAT - GROSSTEUTSCHE PRESSEARBEIT

Gefährlich in teutschen Landen, wo „politische Korrektheit“ die Vernunft vollwertig ersetzt. Deshalb warten die Wenigen, die sich was trauen ab, bis sie materiell so abgesichert sind, daß sie jederzeit in einem freien Land Unter- schlupf finden könnten. Sonst droht öffentliche Demütigung, Rufmord und Karriereknick. Abgesehen von Helmut Schmidt, der nach fast tausend Lebensjahren, unter Denkmalschutz zu stehen scheint, ist jeder der oben genannten mit den Mitteln der öffentlich – teutschen Inquisition zur Abbitte gezwungen worden. Günter Grass ist der vorerst letzte in einer beachtlichen Reihe von Dissidenten. Er hat seinen Kopf benutzt, das wird er büßen. Und zwar ohne Ansehen der Tatsachen. Eine weitere, traurige Übereinstimmung all dieser „skandalösen Fälle“.

NÖCKELPOTT HELMUT SCHMIDT - HIER CA. 600 JAHRE ALT

Die Reden, Texte, Bücher oder Aussagen die zur öffentlichen Verbrennung der verfluchten Häretiker führten, waren dem „mündigen Bürger“ vom Biertisch bis zum Hör- saal praktisch unbe- kannt. Oder, was mit stetig zunehmender Bildungsferne unver- meidlich ist, sie waren einfach zu kompliziert. Genau so läuft das Verfahren jetzt wieder bei Günter Grass. „Verrannt“, „Störenfried“ , „hätte besser schweigen sollen“ , „Altersschwachsinn“ und um ganz sicher zu gehen: „Antisemit“ , sind die vorgefertigten Meinungen von der Stange eines Medienapparates, der so gleichgeschaltet ist, wie einst im Mai.

"ANTISEMITEN" PLAUDERN ÜBER DIE ENDLÖSUNG: MARTIN WALSER - GÜNTER GRASS

Allerdings sehr viel effizienter. Das „gute Volksem- pfinden“ hat es bis in die Redaktionen und Partei- zentralen geschafft. Ganz bitter für Herrn Grass, der doch bis vor 6 Jahren immer auf der politisch korrekten Seite gestanden hat. Der Rest ist vorhersehbar. Mit seiner eigentlichen Aussage werden sich, wenn überhaupt, nur ein paar Außenseiter auf schwach frequentierten, öffentlichen Sendern befassen. Der Pöbel wird ihn, in SS Uniform gezwängt, zum Schaffott schleifen. Da wird Grass alte Bekannte wiedertreffen, die er selbst jahrzehntelang dorthin ausgeliefert hat. Ist das komisch? Klar, wenn man über englischen Humor verfügt, spanische Grandeza, jüdischen Witz oder französischen Rotwein. Für abgründig – romantische, teutsche Seelen verbietet sich hier aber jedes Schmunzeln. Na denn eben nicht......

WEN´S INTERRESSIERT: NOCH´N GEDICHT VON GÜNTER GRASS



Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten -
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt 'Antisemitismus' ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

VÖLLIG ENTSETZT: CDU - NARR HERMANN GRÖHE

 

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir - als Deutsche belastet genug -
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben

und letztlich auch uns zu helfen.