Anmerkungen zur Wahlverweigerung

Das teutsche Propagandaministerium sinnt mit wachsender Not über Maßnahmen nach, das Schrumpfen der wählenden Manövriermasse aufzuhalten. Es sind nur noch etwa 50 - 70 % der Wahlberechtigten, die alle paar Jahre die Wonnen der totalen Macht kosten und sich als „Souverän" des Staates fühlen möchten. Bei allen Anderen ist nach teutschen Maßstäben etwas schiefgelaufen. Sie haben angefangen nachzudenken. Seither verweigern sie einfach die Stimmabgabe. So kommt es immer häufiger vor, dass eine „große Volkspartei", die am Wahlabend triumphale 35% durch den Volksempfänger trompetet, eigentlich nur schlappe 20% aller möglichen Stimmen erreicht hat und normalerweise die Sitze im Rathaus oder Bundestag sofort wieder räumen müsste.
Es gibt aber einen gesellschaftlichen Konsens, dass Nichtwähler Aussätzige sind. Und so werden sie auch häufig behandelt. GAGA-IBIZA spendet Trost und Hilfe für die Aussätzigen, denen sich zur angeblichen Heilung, auf demütigende Weise die Hand der Nichtswürdigen entgegenstreckt, die übrigens mit Hinterlist regieren. Wir können Sie beruhigen, Sie sind gar nicht aussätzig und erst recht nicht heilungsbedürftig. Sie sind in Wahrheit genau das, was ein Wähler sein sollte: wählerisch !

Auch nur eine Partei, trotzdem Problem erkannt !

Die niedrigstmögliche Anpöbelei, der sich Wahlverweigerer oft ausgesetzt sehen: Wer nicht wählt, darf auch nicht mitreden. Solches Gewäsch kommt nicht mal aus der Nähe des Kopfes, sondern aus den Verdauungsorganen. Durchweg von Figuren, die tatsächlich ein vitales Interesse daran haben, dass Menschen, die noch ihr Hirn benutzen, eben „nicht mitreden". Wir finden diese staatstragenden Gestalten unter Spitzenpolitikern genau so, wie unter schlecht bezahlten, verbiesterten Pförtnern.
Der Gedanke hat Tradition. Er entstammt der Idee der teutschen Volksgemeinschaft, die ja ebenfalls nur aus Parteigenossen und Aussätzigen bestand. Auffällig ist das seinerzeit geradezu hysterische Interesse der NSDAP an lebhafter Beteiligung bei der Märzwahl 1933. Auch hier wurden Verweigerer verächtlich gemacht und später in gewissen Anstalten auf ihren Geisteszustand untersucht. Natürlich sollten diese Wahlen nur das System Hitler bestätigen. Danach waren weitere Abstimmungen überflüssig und unerwünscht.

Die fanden wählen auch super, wenigstens dieses eine Mal. Wahllokal 1933, verwählen unerwünscht.

Nach 1945 war man viel raffinierter. Der Teutsche möchte gern mächtig sein. Wenigstens alle paar Jahre einmal. Wenn ihm Chef, Frau und Kinder genug auf der Nase herumgetanzt haben, erhält er die Erlaubnis ein Zettelchen in einen Holzkasten zu schieben. Hier durchströmt einfältige Naturen ein Machtrausch, der durchaus eine Legislaturperiode anhalten kann. Leider war man in der „DDR" so dämlich die Wahlergebnisse unglaublich auffällig zu fälschen. Selbst das hat 40 Jahre geklappt.

Spaß haben auf Staatskosten. Na und? Linker, Klaus Ernst - mit Porsche.

In der „BRD" lassen sich gleich mehrere Parteien ihr System bestätigen. Einträchtig erwecken sie den Eindruck, zwieträchtig zu sein. Der Wähler frisst es. So offensichtlich der Nepp auch ist. Die Interessenlage ist von ganz links, bis ganz rechts außen identisch. Spaß haben, auf Staatskosten.
Damit hier keine Missverständnisse aufkommen, das ist legitim, es ist sogar fast Staatsreligion geworden. Der Wähler will nämlich dasselbe. Zweitwagen, Drittwagen, Köter,  Großbild - 3D - Fernseher, seine Blagen im Geländepanzer die 200m zum Ballett- oder Reitunterricht fahren, alles auf Pump und nach der Insolvenz öffentliche Unterstützung.

Spaß haben auf Staatskosten, privatgenutzte Dienstwagen, von ganz links bis ganz rechts - Interessenlage identisch....

Alle fahren zufrieden mit auf diesem lärmenden Karussell. Selbst die angeblichen „Feinde der Demokratie" sind in Wahrheit voll integriert. Stalinisten, Christdemokraten und Nazis sitzen in derselben Pornosauna, nippen am selben Champus, lassen dieselben Nippel zwillen...In ihren Parteizentralen sitzen die vorgeblichen Wächter der Demokratie und entwerfen als V-Männer „staatsfeindliche" Programme. Jeder weiß das, keinen stört das. Denn auch NPD - Funktionäre wissen einen flotten Porsche zu schätzen.
Wer wählt, ganz egal was, erklärt also nichts weiter als sein Einverständnis mit dieser Gesellschaftsordnung. Das tut übrigens auch der "nicht wählerische" Teil der Nichtwähler. Er empfindet es zurecht als überflüssig, sich an der Wahlurne zum Narren zu machen, da er ohnehin ganz hinter dem System steht. Die Vorstellung, der Nichtwähler würde „finstere Kräfte" unterstützen und die „freiheitliche Grundordnung" gefährden, entspringt gleichfalls nicht dem Kopf, sondern dem Darm. Diese, unsere Grundordnung schluckt wie ein gigantischer, warmer Vanillepudding alles, was da hineingeworfen wird. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an die Panik, die Norwegerpullover, Turnschuhe und strickende Kräuterweiblein vor 30 Jahren in teutschen Parlamenten auslösten. Sie alle sitzen mittlerweile bequem in ihrer Villa in der Toskana und besuchen ihre linken Nachbarn im rußgefilterten Geländewagen. Die Rebellen von einst beschließen Autobahnbau, Kriegseinsätze, spekulieren an der Börse und faseln von Menschenrechten und neuer Armut. Das alles ohne Verhaftungen, Arbeitslager, Prügel oder Verschleppung. Der westdeutsche Vanillepudding hat sie alle einfach ersäuft. In vanillig-warmem Wohlstand, wie man an Joschka Fischer zeitweise sehr deutlich sehen konnte. Eigentlich keine schlechte Leistung, für eine Gesellschaftsordnung.

Dynamisch, schlank, Turnschuhe: Joschka Fischer.

Wer sich nun fragt, wie lange der Pudding noch reichen wird, wer ihn bezahlen oder besser, abbezahlen soll, kann durchaus ins Grübeln kommen. Und zu dem Ergebnis, sich der Zustimmung zum ungehemmten Weiter- fressen zu verweigern. Denn zu nichts anderem ist „Wählen gehen" mittlerweile verkommen: Zustimmung zum Weiterfressen.
Es gibt gute Gründe, sich diesem Akt, ritualisierter Verwahrlosung zu enthalten. Mancher hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Sicher ist es schwer festzustellen, wie viele Wahlverweigerer sich derartig schwere Gedanken machen, aber eines steht fest: Selbstständig bedachte, souveräne Urteile werden von dieser Fraktion gefällt und nicht vom Urnenpöbel.

Nach 35 Jahren Vanillepudding: geachteter Staatsmann.

So verwundert es nicht, mit welch nervöser, dilettantischer Hingabe, die Repräsentanten der Spaß- und Puddinggesellschaft versuchen, die Verweigerer umzustimmen oder doch wenigstens zu diskreditieren. Aber ein nüchterner Blick auf dieses Panoptikum von abgemästeten, uninteressierten Schwätzern ist nicht geeignet, andere Figuren, außer ihresgleichen, an die Wahlurne zu bringen.
Ganz sicher werden sich diese Herrschaften auch bei einer Wahlbeteiligung von nur 5% noch für die Vertreter des Volkes halten. Dazu brauchten Die nicht mal das Grundgesetz zu ändern.