200 JAHRE WATERLOO

Es wird wieder geprostet: Vor genau 200 Jahren haben die Alliierten das „sogenannte Böse“ endgültig besiegt – naja – vorläufig. Und – man glaubt es kaum, die Deutschen gehörten zu den „Guten“, den Alliierten. Naja – eigentlich mehr die Preußen. Das Scheitern Napoleons im belgischen Schlick ist mitlerweile zu einem monumentalen Drama aufgepumt worden. Über die Schlacht bei Waterloo gibt es fast mehr Literatur, als über den ganzen restlichen Napoleonklüngel.

216 v. CHR. SCHLACHT BEI CANNAE - ODER ZAMA ?

Ein „Waterloo erleben“ ist seither zum Synonym des Schei- terns überhaupt gewor- den. Bis dahin war das im- mer noch „Cannae“ gewesen. Da natürlich die Deutschen immer alles viel besser und gründlicher machen gilt seit Februar 1943 „Stalingrad“ als die geweihte Ikone des Versagens. Dabei war Stalingrad läppisch. Die Opfer und die Niederlage waren freilich furchtbar, aber die Technik war läppisch.

OHNE LIEBE ZUM DETAIL: STALINGRAD 1943

Wir sehen keine virtuosen Feldherren mehr, die ihr Zentrum eindrücken lassen um den Gegner einzukesseln oder die Artillerie choreo- grafieren wie ein Kunst- schütze seine Pistolen. Nur Massen von Material und Männern, die aufeinander einprügeln und irgendwann erfrieren oder verbrennen. Die Verunreinigten Staaten von Amerika haben dieses Prinzip übernommen. Nur bei Miday, im Pazifik, haben sie sich ein letztes Mal, taktisch geschickt den überlegenen Japanern gestellt. So etwas sollte nie wieder vorkommen.

MIDWAY 1942 - USS ENTERPRISE UNTER BESCHUSS

Nun gedenken wir also dem kleinen Italiener mit dem gefälschten, französischen Personal- ausweis. Waterloo. War das nötig? Abzuhauen von Elba? Einer schmucken Mittelmerinsel, mit gesundem Klima, 800 Mann „Leibgarde“ und regelmäßigen Besuchen von Funk, Fernsehen, Familie und natürlich seiner geliebten Maria Walewska. Ein knappes Jahr ertrug der Mittvierziger das süße Leben. Ob nun das Ersparte des Kaisers oder seine Geduld zuerst zuende ging ist heute nicht völlig klar.

WIE ES HÄTTE SEIN KÖNNEN: ELBA 1814...

Auch das linkisch - restau- rative Regiment des über- gewich- tigen Ludwig VIII. und seiner ignoranten Verwandt- schaft, muß auf Napoleon wie eine Aufforderung zur Gewalt gewirkt haben. Allerdings, schon bei seiner Landung in Frankreich (Februar 1815) hätte er stutzig werden müssen.

GRÄFIN WALEWSKA ZU BESUCH AUF ELBA...

Die Armee zwar empfing ihn mit offenen Armen, aber das Volk jubelte nun nicht mehr „es lebe der Kaiser…“ sondern „es lebe Frankreich…“ . Vier Monate später saß der „Gewaltige“ auf Sankt Helena, einem schmucklosen Felsklumpen im Atlantik. Scheiß Wetter, Scheißtypen um ihn rum, Scheißzukunftsprognose.

NACH DER LANDUNG - DIE LUFT IST RAUS...

Hier mörtelt der verbies- terte Kaiser der Franzosen an seiner Legende und diktiert schmach- tenden Zuhörern (wie Emmanuel de Las Cases) den verlogenen Schmus seines ruhmreichen Lebens. Schuld waren immer die Anderen. Royalisten, Jakobiner, die europäische Koalition der alten Dynastien, die ihm keinen Frieden ließen, das Mistwetter in Russland, Wellington und natürlich Preußen.

DIE WAHRHEIT UND NICHTS ALS DIE...

Die verdam- mten Preußen. Napo- leon, der Drei- viertel- gott, nicht besiegt von den Men- schen, sondern „von den Elementen“. Vor allem die richtigen Deutschen (nicht die Preußen) verzehren diese schwer verdauliche Süßspeise bis heute mit Genuß. Das dem emsigen Korsen das Genick bereits in Spanien angeknackst – und von seiner eigenen, sauberen Familie gebrochen wurde, mag kaum jemand hören. Schlechte Story. Nichts für die Familie vor dem Bildschirm. Stattdessen finden wir Napoleon als milden Brandy im Supermarktregal wieder.

WELLINGTON UND BLÜCHER - HANDSCHLAG FÜR DIE TAGESSCHAU

Zwischen lauter Flaschen. Daneben von Abba: „Waterloo“. Einen „Adolf – Doppelkorn“ finden wir dort nicht. Auch keinen flotten Schlager auf Stalingrad. Für Abgänge a la Richard Wagner verbietet sich offensichtlich die gesellige Verschnapsung. Geschichte als Gutelaunepaket ist eben nicht nach deutschem Geschmack. Na denn, sante´, Herr Bonaparte und keine Sorge, nach Ihnen ist es auch nicht wesentlich besser geworden… Ach ja, wer mag, kann noch etwas "Napoleon gucken" - im GAGA Geheimarchiv Geschichte. Klicken Sie HIER!