INVASION FÜR FORTGESCHRITTENE

Invasionen beflügeln immer die Phantasie. Der Aufwand ist monumental auf beiden Seiten. Die einen bringen die Freiheit, die anderen glauben, sie verteidigen die Freiheit. Nach der Invasion, wie sie auch ausgeht, ist nichts mehr wie es war. Das Publikum begeistert sich seit Jahrzehnten (seit 7 Jahrzehnten?) für Invasionsszenarios. Invasionen von der Wega,  vom Mars, Mars Attacks, liefern reichlich Zutaten für einen Traumeintopf aus Befreiung und Vernichtung.

Und nun: Siebzig Jahre Invasion in der Normandie. Da werden die Sprüche noch etwas schwülstiger, salbungsvoller, heuchlerischer, kindischer. Man muß der mündigen Mediengemeinde schon etwas bieten. Dummerweise hängt der Haussegen schief unter den Siegern. So schief wie vor 75 Jahren. Der Vertreter von Hitlers Verbündetem, Stalin, zunächst Totfeind der Freiheit, konnte nicht ausgeladen werden. Freilich war er später Todfeind des Führers und Verbündeter der Freiheit. Heute wieder Todfeind der Freiheit und Verbündeter von Gerhard Schröder, sorgt Putin für aufgelockerte Stimmung.

Man erinnert sich gern, denn immer- hin, Sieger sind sie alle. Außer den Deutschen natürlich. Die sich heute in der Norman- die, ver- söhnungs- halber, zum Narren machen dürfen, wie schon vor 70 Jahren als Verlierer. Wirkliches Einvernehmen herrscht komischerweise nur zwischen den Veteranen, die einst aufeinander geschossen haben. Respekt und Achtung auf beiden Seiten. Die „Handwerker der Freiheit“ verstehen sich prächtig.

Das läßt hoffen. Denn an allen Ecken und Enden dieser unterjochten Welt werden sie wieder gebraucht.

INVASION VON DER WEGA...

Natürlich muß vorher, wie eh und je, erstmal ausge- schossen werden, welche Freiheit denn nun die Richtige ist. Jedenfalls, solange keine Außerirdi- schen uns das endgültig erklären. Bis dahin irren beschränkte Politiker alle Jubeljahre auf Soldatenfriedhöfen herum, sortieren Gute, Böse und Versöhnte auseinander und faseln von, äh – ach ja – „Freiheit“.