DAS SCHWEIN LEBT !

DAS SCHWEIN LEBT...

„Das Schwein lebt!“ Diese bittere Nachricht erreichte am späten Nachmittag die Verschwörer des 20. Juli im OKH in der Bendlerstraße in Berlin. Genau vor 70 Jahren. Schon wieder ein teutonisches Jubiläum. Erst 100 Jahre 1. Weltkrieg, dann 70 Jahre Invasion in der Normandie, jetzt – 70 Jahre Attentat auf den geliebten Führer. Denn, - bei allem Verständnis für staatstragende Heuchelei - , das war er. Kein Kanzler vor und nach ihm wurde von den Deutschen so innig geliebt, keiner hat solche Wunder vollbracht und keiner, vor oder nach ihm, hat solchen Schaden angerichtet. Immerhin ist Herrn Hitler die Errichtung eines „Tausendjährigen Reiches“ tatsächlich gelungen. Denn das laufende Jahrtausend ist unbestreitbar das des Führers. Dafür wird ganz speziell in Teutschland unausgesetzt gearbeitet. Es vergeht kein halber Tag ohne die Hunde des Führers, die Frauen des Führers, die Helfer des Führers, die Manager des Führers, die Socken des Führers, die Pillen, Unterhosen, Verwandten, Geheim- waffen, Psychosen und Lieblingsoperetten des Führers.

HITLERS HUNDE, HITLERS FRAUEN, HITLERS PILLEN...

Spiegel TV, History TV, Web, Print, Bühne, Schule, Kindergarten sind ganz verliebt in die kackbraunen Opernlibrettos dieses Herrn. Keiner hat mehr gemordet, gehetzt, gelogen, betrogen, geschändet, diskriminiert, vernichtet, keiner war böser – deshalb sind wir jetzt so gut. Der Führer als Katharsis, als Transformator des Teutschen vom Weltmonster zum moralischen Weltherrenmenschen. Der romantische Traum des böhmischen Wagnerabonnenten ist doch noch war geworden. Der Mann hat sich in „seinem Volk“ nicht getäuscht. Das Ausland wendet sich angewidert ab.

HERRENMENSCH ( GEPLANT BIS 1945 )

Nicht öffentlich natürlich, aber unter der Hand kauft keiner den sogenannten Teutschen diesen Reue und Betroffenheits – Schmus ab. Sie sind die selben geblieben, wie 1618, 1914, wie 1939, wie 1989… gefährliche, romantische Spinner, die ernste Fragen mit dem Darm und nicht mit dem Kopf angehen. Sobald es teuer, blutig und wirklich wichtig wird, verstecken sie sich, wie einst, hinter ihrem Führer - „Das geht nicht – wegen unserer Geschichte, das dürfen wir nicht sagen oder denken – wegen unserer Geschichte.

HERRENMENSCH ( UMGESETZT AB 1945 ) BEISPIEL HIER: WALTER JENS

Der ARD „Presseclub“ ( 13.07, Thema: Anmaßend oder angemessen – Deutschlands neues Selbstbewußtsein) war ein weiteres tragisches Dokument dafür. Es sind allein die Deutschen (z.B. Herr Schwennike), die gar nicht auf die Idee kommen, daß es eben gerade anmaßend ist, immer den reinen, guten, reuigen, geläuterten Messias geben zu wollen. Der französische Kaberettist, Alfons, erklärt seinen Gästen treffend, was man im Ausland davon hält – „Ihr Deutschen könntet viel beliebter sein, wenn ihr etwas schlechter wärt – wie wir alle…“ Eine Zumutung für „richtige Teutsche“ – so sein wie alle. Wie konnte es so überhaupt zum Attentat auf Hitler, den strahlenden Siegfried kommen? Nun, sehr einfach. Das waren keine richtigen Teutschen. Das waren Preußen. Es gibt keinen hoffnungsloseren Gegensatz zwischen dem „Teutschen“ und dem Preußischen.

FRANZOSEN - WAS DIE SCHON WISSEN - KABARETTIST ALFONS

Das Preußische ist nicht rassisch. Preußen haben polnisch, französisch, englisch, deutsch, sogar bayerisch und sächsisch gesprochen. Ein Alptraum für richtige Teutsche. Schlimmer noch. Allen gemein ist eine etwas unpopuläre, trockene Vernunft, holländisch – angelsächsischer Art. Preußen war immer etwas arm und nicht mal sexy. Deshalb hat Preußen auch in Europa gelegentlich Bündnispartner gefunden – mit „Teutschland“ wollte niemand etwas zu tun haben. Dürrenmatt läßt gar den deutschen Kaiser in „Die Wiedertäufer“ treffend sagen: „Der Reichstag! Scheußlich! Wir lieben diese deutschen Angelegenheiten nicht, sie sind so – unplastisch.“

"SO UNPLASTISCH" KAISER KARL IN WORMS - HIER MIT LUTHER

Das waren sie vor 500 Jahren, das sind sie noch. Die Gestaltung des „Unplastischen“ zu einem romantischen, entsetzlichen Gesamtkunstwerk, war die große Bestimmung Hitlers. Nur wenige Gruppen haben ihn in Deutschland dabei nicht bejubelt. Eine Handvoll Studenten und Intellektuelle, Konservative, Sozialdemo- kraten, Teile der Amtskirchen (besonders der protestantischen) und als Hitlers schlimmster Alptraum, die Überreste des preußischen Generalstabes.

VERSTAUBTE PREUSSEN - HITLERGEGNER CARL F. GOERDELER

Das wird manchen verblüffen, der jahrzehntelang durch den teutschen History TV – Kindergarten geführt wurde, wo Preußen nur als Erfinder des Militarismus vorgeführt wird. Aber der seriösen Forschung, besonders natürlich im Ausland, sind die Tatsachen längst bekannt. Auch, daß Hitlers beste Verbündete gegen seine bockigen Widerständler ausgerechnet die Alliierten selbst waren. Ein Kapitel Geschichte, das in Teutschland kaum jemanden interessiert. Es hat diverse Attentate auf Hitler gegeben. Die Namen der „Täter“ lesen sich wie ein Auszug aus dem Gotha Adelsverzeichnis oder dem preußischen Beamtenkalender. Georg Elser, dessen Tat hier ausdrücklich gewürdigt werden soll, ist die klassische Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Gelegentlich lassen sich hämische Töne vernehmen, wegen des Zögerns, Zauderns und schließlich Fehlschagens, besonders des letzten Anschlags 1944.

GEORG ELSER - DIE HOFFNUNGSVOLLE AUSNAHME...

Eine wahrlich teutsche Kritik. Sie hätte Hitler gefallen, der ja auch ein Anhänger der großen, darmgesteuerten Taten war. Eine arrogante Kritik von verwöhnten Konsumenten, die nicht annähernd ermessen können, was es damals für Verantwortungsträger bedeutete, den Abgott der Teutschen in Stückchen zu sprengen. Besonders wenn man bedenkt, was wir heute um des obszönsten Luxus Willen, mit ganzen Völkern geschehen lassen. Es breitet sich stattdessen dümmliches Staunen aus, wenn dann mal die Symbole unserer schönen neuen Welt in Stückchen gesprengt werden. Kein Wunder. Verzicht, Pflicht, Analyse, Verantwortung, waren preußische Tugenden und Preußen wurde nach 1945 gesetzlich verboten (kein Witz). Niemand frohlockte lauter als die richtigen Teutschen. Ihre wichtigsten Medienvertreter tun das heute noch. Das Preußische findet sich heute nur noch in dem Wenigen, das in Teutschland reibungslos funktioniert. Pünktlichkeit, Effiziens, Gründlichkeit, Sparsamkeit, Zuverlässigkeit sind eben keine typisch teutschen Tugenden.

HITLERHASSER: PREUSSE HENNING VON TRESCKOW

Der Teutsche schätzt sie erst, wenn er länger im Ausland zugebracht hat. Vor allem das nüchterne Urteilen ist dem Teutschen zu wider. Das Herz, das große Gefühl beherrscht immer alles. Solche Leute legen keinen Hitler um. Sie jubeln ihm zu im ersten Akt und verfluchen und zertrampeln ihn nach dem letzten Akt. Genau das wird sich jetzt wieder in pathosüberladenen Feierstündchen abspielen, die einer Sorte Frauen und Männern gewidmet sein sollen, die in Wahrheit in Teutschland fast ausgestorben und völlig unerwünscht sind. Gut, daß die daß nicht mehr erleben müssen. Die Preußen sind tot – aber das Schwein lebt immer noch...

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