MICHAEL JACKSON - LUDWIG II VON BAYERN - FAST DAS SELBE.....

Traumtänzer Ludwig

Zwei Männer, die kräftig einen an der Klatsche hatten und doch genial waren. Beide grelle Dekorationsstücke ihrer Zeit, auf die man auch hätte verzichten können, die aber bis heute irgendwie unverzichtbar geblieben sind. Als Ludwig, 18jährig, den bayerischen Königsthron bestieg, herrschten unruhige Zeiten. Die deutschen Länder strebten nach Einigung, Bismarck saß auf dem Sprung, um den „Mantelzipfel Gottes“ erhaschen zu können, aber Ludwig kümmerte das wenig. Er hörte lieber Musik. Richard Wagner. Das bizarre, zuweilen unheimliche Operngedonner des exzentrischen Komponisten stellte in seiner Zeit musikalische Meilensteine dar, wie später die legendären Hits des Michael Jackson.

Breaktänzer Jackson

Und wie Jackson lebte Ludwig ganz in dieser Musik. Ein irrer Komponist und ein romantischer Spinner von König hatten sich gefunden. Die Berge von Kohlen, die Ludwig für Wagner seine Musik und dann die Schlösser verjuxte, wären kaum zu zählen, wenn der königliche Erbsenzähler, Franz von Pfistermeister sie nicht übellaunig, Pfennig für Pfennig aufgeschrieben hätte. Wagner erhielt sein eigenes Haus, wo er außer auf dem Flügel auch auf der Frau seines Kapellmeisters spielen konnte. Theaterbauten, Bühnenbilder und der ganze Unterhalt verschlangen Riesen- summen.

Teurer Logiergast, Richard Wagner und Anhang.

Michael Jackson mußte seine Millionen selber verdienen. Aber die Art wie er lebte und sein Vermögen unter die Leute brachte, zeigt geradezu verblüffende Parallelen zu Ludwig II. Da ist vor allem eine handfeste Wirklich- keitsverachtung. Um dem sogenannten richtigen Leben zu entwischen baute Jackson seine eigene Plastik- Kinderwelt, Neverland, auf. Als das größte Kind lebte Jackson selbst dort seinen unendlichen Kirmes- Zirkustraum. Das riesige Gelände, mit schlossartigen Bauten nach Disney – Art, öffnete er gelegentlich  für sozial schwache Kinder, die sich dort kostenlos vergnügen durften. Aber eigentlich war das ganze Neverland nur für ihn allein gedacht. Mit Menschen konnte Michael Jackson so wenig anfangen, dass er die dauerhafte Beziehung zu einem Schimpansen bevorzugte. Durchaus verständlich, wenn man sich die meisten Menschen mal näher ansieht.

JACKSONS PLASTIK - KINDERWELT : "NEVERLAND"

Ludwig, um der Realität zu entgehen, machte es ebenso. Seine Schlossbauten waren so entlegen, kostspielig und berüchtigt, wie sie heute berühmt sind. Auf einigen tausend Quadratmetern hielt der weltferne Monarch Hof. Allein. Auch der Anblick vieler Bediensteter war dem König zuwider. Zum Essen wurde ein „Tischlein deck dich“ aus dem Parkettboden geleiert, damit Ludwig nicht auch noch die Gegenwart des königlichen Oberkellners ertragen musste. Unterhaltung bei Tische pflegte er mit den Damen auf den umhängenden Gemälden. Also nicht mal ein Schimpanse.... Gelegentlich lud der kunstsinnige Herr Schauspieler ein, die nach der Tafel aus klassischen Werken zu deklamieren hatten. Ihnen kam lediglich die Rolle eines MP3 Players zu. Persönliche Ansprache war unerwünscht. Blickkontakt strengstens verboten. Wie die bayerischen Bazis diese Type für volkstümlich halten konnten ist ein Rätsel. Oder auch nicht. Denn Ludwig hegte eine große Liebe für die Landbevölkerung. Er verkehrte ungern in den Kreisen seiner Klasse, stattdessen lieber mit jungen, gut durchbluteten Burschen von der Alm. Genau wie Michael Jackson war Ludwig nämlich sexuell völlig verkorkst. Aber genau wie bei Jackson dürften die Schauergeschichten über perverse Orgien völlig unzutreffend sein. Alle beide zeichnen sich durch eine naive Infantilität aus. Was Ludwig mit seinen Bauernburschen und Michael Jackson mit den Kinderchen angestellt hat dürfte ziemlich sicher unzensiert im Vormittagsprogramm gesendet werden. Der Eine bei Wagnermusik, der Andere bei seiner eigenen, lagen sie vermutlich einigermaßen unschuldig neben ihren Gespielen und blickten versonnen an die Deckengemälde.

LUDWIGS PLASTIK - KINDERWELT : NEUSCHWANSTEIN

Es ist schon fast mühsam auffällige Differenzen zu erkennen. Immerhin hatte Jackson etwas, was Ludwig versagt blieb, ihn wohl auch nicht interessierte. Erfolg und Öffentlichkeit. Jacko landete einen Hit nach dem Anderen, tourte um die Welt, wurde sogar im weißen Haus empfangen, arbeitete, produzierte und stand an der Spitze eines internationalen, funktionierenden „Groß- betriebes“. Ludwig trat sofort in die geistige Nische zurück, sobald sich so etwas wie Problemchen abzeichneten. Am Kriegseintritt 1866 gegen Preußen hatte er außer seiner Unterschrift unter den Mobilmachungsbefehl keinen Anteil. Während der Schießerei besuchte er Richard Wagner in der Schweiz, um ein bischen auf dem Klavier zu klimpern. Das wäre so, als hätte Jacko seinen Jubiläumsauftritt im Madison Square Garden 2001 „DJ Ötzi“ überlassen. Als Bismarck 1870 mit „Blut und Eisen“ die deutsche Einheit schmiedet, läßt Ludwig sich mit Zahnweh entschuldigen. Verglichen mit Michael Jackson war er, wenigstens in dieser Hinsicht, eigentlich ein unproduktiver Jammerlappen.

Jackson bei der Arbeit.....

Die Musik und die Schlossbauten sind natürlich von Ludwig finanziert worden und wir danken dem König herzlich für die Beschaffung so vieler Arbeitsplätze (bis heute...), aber die künstlerische Ausführung musste der entrückte Herr immer den eigentlichen Meistern überlassen. Die Erschaffung seiner grellkreischenden Rokoko – Phantasiewelt erlebte er eher als Zuschauer, denn als Schöpfer. Zum Ende hin, finden sich dann aber schon wieder erstaunliche Gemeinsamkeiten. 

Kostümhappenings im Schnee. Nur so ´rumfahren und gucken: Ludwig bei der Arbeit.

Die Auffälligsten: Der scheinbare Irrsinn der beiden und das Rätselhafte Ende selbst. Wer Jacko bei seinen Interviews zugehört hat, hätte besser nicht zugehört.  So sensationell seine Musik war, so erbärmlich war sein Gestammel. Na und, mag mancher sagen, der Mann war schließlich Musiker und kein Rethoriker. Trotzdem blitzte bei solchen Gelegenheiten deutlich so etwas wie Wahnsinn durch. 

Helmut Berger als Ludwig II, ein genialer Irrer spielt einen genialen Irren......

Auch Ludwig hatte sich zum Schluß zu einem reinen Kunstobjekt gewandelt, das kaum noch vernünftigen Gesprächen folgen mochte. Das erreichte er nicht wie Jackson durch ständige kosmetische Operationen, aber durch aufwendige Kostümhappenings und den Verlust seiner Zähne. Geradezu erschreckend, die Parallelen im Tode der beiden Kunstfiguren und das, was wir darüber wissen. Nämlich eigentlich nichts. Die Zwei haben es geschafft den Augenblick ihres Abgangs völlig in einen Nebel zu hüllen, in dem übrigens auch beide mit ihrem Leibarzt verschwunden sind. 

Ewiges Rätsel Ludwig. Welche Rolle spielte der Arzt ?

Ludwig II hat seinen, Dr. Gudden, gleich ins Jenseits mitgenommen. Wer wen wie oder überhaupt ersäuft oder ermordet hat bleibt ein Rätsel. Verschwörungsthe- orien ranken sich um das malerische Ende des Märchen- königs, genau wie um den ungeklärten Tot Michael Jacksons. Nur die Nachfolge war in Bayern klar geregelt. Die Jacksons und deren Verwalter und Anwälte prügeln sich munter um den Nachlass des schließlich noch blasser gewordenen Jacko. Die Erbmasse ist gewaltig. In beiden Fällen. Der Welt verbleibt ein kleines Kulturimperium. Das eine wird bis heute vom bayerischen Staat verwaltet, vermarktet und in bare Münze umgeschlagen. Herr Pfistermeister würde im Grabe rotieren, wenn er die Renditen der „irrsinnigen, teuren Schlösser“ sehen würde. 

Ewiges Rätsel Michael Jackson. Welche Rolle spielte der Arzt ?

Ludwig würde allerdings gleichfalls rotieren, wenn er wüßte, dass fremdes Gesindel gegen schnödes Eintrittsgeld seine Tempel der Einsamkeit beschmutzt. Sicher dreht sich auch Jacko auf Hochtouren in seiner Gruft, falls er mitbekommt, welche Investoren seinen Neverland Jahrmarkt besichtigen und wie seine gierige, verlogene Familie sich um Nachruhm, Musikrechte und Millionen drischt. Aber die Musik bleibt, wie die Schlösser Ludwigs. Falls die zwei sich in einem jenseitigen Neverland begegnen, werden sie sich sicher höflich distanziert grüßen und dann aus dem Wege gehen. Sie sind sich einfach zu ähnlich. Aber ganz sicher wird der Eine für den Anderen heimliche Neugier und Respekt empfinden. Natürlich so, dass keiner was merkt.