( ARCHIVAUSZUG JUNI 2012 )

WAR DAS EIN SCHEISSWETTER.......

26. JUNI 1812 - ABMARSCH DER GRANDE ARMEE NACH RUSSLAND. MIT HITLERGRUSS ! ?

Das hier wird nur wenige interessieren.... Aber GAGA – Leser ticken ja etwas anders. Deshalb dürfte dem einen oder anderen das heutige, selt- same Jubiläum vielleicht geläufig sein: 200 Jahre Russland – Feldzug. Fast auf den Tag genau Heute, im Jahre 1812, marschier- te der kleine Italiener mit dem gefälschten Personalausweis, Napoleon I., in Richtung Moskau. Nicht zu Unrecht wird diese wackere Wallfahrt nach Osten als die erbärmlichste militärische Katastrophe überhaupt hingestellt.

FAST AM SELBEN TAG: 22. JUNI 1941 - ABMARSCH DER WEHRMACHT NACH SOWJETRUSSLAND

Literatur gibt es waggonweise. Besonders beliebt sind Bezüge zu Hitlers Russland – Feldzug, der sich auch nicht direkt zu einem durchschla- genden Erfolg entwickelte. Manche eigenartige Parallelen fallen ins Auge, es scheint aber besonders nützlich, sich auch der deut- lichen Differenzen zu widmen. Besonders augenfällig: Napoleon hat diesen Krieg nicht gewollt. Er betrachtete ihn als technisch notwendig. Sein überdehntes Imperium bröselte ab. Mit den servilen Teutschen konnte man nach belieben umspringen, aber die stolzen Spanier haben den Bonaparte Mafia – Clan nicht einen Augenblick auf dem Thron Karl V. ertragen können. Es war ein grausiges Gemetzel in einer heißblütigen, feindlichen Hitzehölle. Der bittere Vorgeschmack auf die verschnarchte, russische Kältehölle.

FEINDLICHE HITZEHÖLLE SPANIEN - SCHLACHT BEI SOMOSIERRA

Damit nicht genug – Napoleons Kontinen- talsperre erwies sich als undurchführbar. Anstatt den Hauptfeind England wirtschaftlich zu erwürgen, tauchten an allen Ecken und Enden englische Waren auf. Selbst in Frankreich, sogar in der kaiserlichen Familie präsentierten sich die Damen in britischem Damast, einem Tässchen Tee und die Herren mit ebenso britischem Pfeifentabak. Als schließlich noch der „beste Kumpel“ des Kaisers, Zar Alexander aus dem Boykott gegen England ausstieg, konnte sich Napoleon ausrechnen, wann dieser launische Charmeur sich Preussen oder England oder sonst wem zuneigen würde.

SCHNAPSIDEE "KONTINENTALSPERRE" - VERBRENNUNG ENGLISCHER WAREN IN FRANKFURT 1810

Wie auch immer, die Koalition seiner Gegner würde fett und rund werden, während er sich dabei verschliss spanische und englische Fußtritte zu ertragen und die deutschen Schafsköpfe auf den Knien zu halten. Ein erfolgreicher Russland – Feldzug konnte der große Befreiungsschlag sein. Es war eine einfache politische Dreisatzrechnung. Riskant aber logisch. Das ist nichts für einen Romantiker wie Herrn Hitler. Es ist unwürdig und höchst unteutsch, sich an derlei Lächerlichkeiten wie „Logik“ zu verschwenden. Hitler ist mental nie aus dem infantilem Theatersessel seiner beknackten Wagneropern herausgekommen und war mit wichtigerem befaßt als politischen Rechnungen. Seine Mission war es als verstrahlter Siegfried seine Teutschen vor dem Bösen zu beschützen.

WAGNERABONNENT HITLER MIT WINIFRIED WAGNER

Vor Verschmutzungen der Rasse (heute sind es Feinstaubfilter...), vor fiesen Bolsche- wisten und Juden (heute sind es „Heuschrecken“, Banker, Börsenbroker und – ja irgendwie auch wieder Juden....) und vor dem Weltfinanzjudentum (na bitte, da haben wir sie ja schon....). Hitler träumte von einem gigantischen teutschen Parkplatz, der auf der polnisch - sowjetischen Immobilie eingerichtet werden sollte. Dort sollten zottige Untermenschen auf den gewaltigen Äckern arischer Gutmenschen schwitzen und das Auskommen wagnerischer Helden sichern. Das „große Völkerringen“ sollte ganz wie auf der Opernbühne ablaufen. Ist es dann ja auch. War das nötig? Natürlich hätte Hitler die (sicher unverschämten) Forderungen seines „besten Kumpel“ Stalin akzeptieren müssen.

WAR DAS NÖTIG ? HITLERS KUMPEL: STALIN

Möglicherweise hätte er den Sowjets sogar den Vorzug des Erstschlags überlassen müssen. Denn das Stalin im Frühjahr 1941 selbst zum Sprung an die teutsche Gurgel bereit stand, wird heute von keinem seriösen Historiker mehr bestritten. Aber der Puffer zwischen den beiden „Kumpels“ war geräumig und die Chancen auf einen erfolgreichen Durchbruch der Russen mager. Vielleicht wäre er nie erfolgt. Hier wäre ziemlich sicher für Generationen die Demarkationslinie entstanden die später, in der NATO, der Atlantik wurde. Ganz zu schweigen von der politischen Pole – Position, nicht der Angreifer zu sein.

TOTAL LAUNISCHER CHARMEUR: NAPOLEONS KUMPEL: ZAR ALEXANDER

Aber das sind Erwägungen für feige Rechner, nicht für geisteskranke Kulissenschieber in der „Götterdämmerung“. Der Kampf, das riesige Inferno und zum Schluß die Tragödie in Stalingrad haben für Hitler vor allem dekorative Bedeutung. Der apokalyptische Zusammenbruch ist Teil seines bescheuerten Gesamtkunstwerkes „Völkerringen“. Der Sieg ist unwichtig. Der letzte Auftritt zählt, Hochzeit, Selbstmord, Flammentot. Napoleon will siegen. Unbedingt. Das ist, kurz gesagt, der ganze Unterschied. Der Feldzug geht ihm auf die Nerven. Von Anfang an. Die technischen, logistischen und organisatorischen Anstrengungen sind von historischer Monströsität. Der Kaiser mischt sich zum Entsetzen der Militärverwaltung in alles ein. Über 600.000 Mann, darunter auch ein paar Franzosen, müssen essen, trinken, transportiert werden, töten, verarztet werden. Das ist nicht der Krieg der dem kleinen Italiener Spaß macht. Der Krieg in West- und Zentraleuropa brachte Ruhm und volle Kassen. Im reichen, glamourösen Italien, im fetten Teutschland, da gab es was zu holen.

DA GAB ES NOCH WAS ZU HOLEN: NAPOLEON IN ITALIEN 1798

Da konnte man sich als Befreier aufspielen, plündern, pressen und prügeln. Selbst den Papst konnte man antreten lassen wie einen artigen Korporal. Über Spanien natürlich schweigt Napoleon lieber.... Aber Russland? Natürlich hatte Napoleon seinen „Karl XII.“ gelesen, so wie Hitler seinen „Napoleon“ gelesen hatte. Der Kaiser der Franzosen mußte sich überwinden, in dieses dürre, häßliche, finstere, frostige Russland zu marschieren – Hitler war ganz hingerissen davon.

DÜRRES, HÄSSLICHES RUSSLAND - DER KAISER BEI BORODINO

Abgesto- ßen war er hingegen vom Krieg im Westen, der doch anfangs sehr er- folgreich verlief. Frank- reich, England, Holland, Norwe- gen, waren Gegner, die Hitler nur höchst widerwillig anging. Es waren Exponenten der Logik des Krieges, die ihm hier entgegenstanden. Ganz und gar unwillkommene Auseinandersetzungen. So unwillkommen, daß er den Norwegen - Feldzug entnervt abzubrechen befahl, den General Dietl dann gegen Befehl siegreich zu Ende brachte. Wir sehen hier vor der Geschichte zwei grundverschiedene Figuren ähnliches tun. Einen gelernten Militär, berechnend, logisch, charismatisch – jeder Zoll ein Mafia – Boß.

DER MEISTER DES SPITZEN WORTES....

Und einen verträum- ten, beschränkten Abonnenten von Wagneropern. Auch charismatisch, aber jeder Zoll ein Irrer. Sie mögen selbst entscheiden, was ihnen besser schmeckt. Die Wahl ist weniger einfach, wenn man sich von über 40 Jahren Hirnwäsche a la History - Fernsehen frei macht. Die Zahlen sind etwas strittig, aber wirklich nur etwas: Von über 600.000 Mann der „Grande Armee“ stolperten im Dezember 1812 kaum mehr als 20.000 bleiche Gespenster erfrohren, verhungert, verlaust, verängstigt und verstört über die rettende Grenze nach Ostpreussen zurück. Der großartige Reiseveranstalter dieser Expedition kehrt freilich etwas früher zurück an das heimische Kaminfeuer in Paris. Das erste offizielle Bulletin, das seine Majestät, Napoleon I., den Hinterbliebenen seiner  vernichteten Streitmacht vorsetzte, zeigt den Meister des spitzen Wortes bei der Arbeit: „Die Gesundheit seiner Majestät war nie besser!“