Teutsch - Französische Blüten

"BLEU DE FRANCE" - Der blöde Franz....?

Regelmäßiger Gast, im Hafen von Ibiza : Der Stolz der französischen Kreuzfahrtflotte, die „BLEU DE FRANCE". Was wohl soviel heißen soll, wie : „Der blöde Franz" oder so.... . Eigentlich war sie mal der Stolz der Handelsflotte in Teutschland, wo sie 1980 für HAPAG LLOYD als „EUROPA" vom Stapel lief. Heute laufen solche Schiffe schon lange nicht mehr vom Stapel oder von der Helling. Es weiß auch heute kaum noch jemand was das sein soll. Stattdessen laufen jetzt die Luxusdampfer, fix und fertig, lackiert und möbliert, aus riesigen Turnhallen aus. Der Fahrgast braucht nur noch den Fernseher einzuschalten und den Spielautomaten.

Fertig, direkt aus der Turnhalle....., nur noch den Fernseher einschalten....

Auf der EUROPA soll es auch einen Spielautomaten gegeben haben. Allerdings fanden vor 30 Jahren Kreuzfahrten auch noch auf Schiffen statt und nicht wie heute, auf schwimmenden Megacities, die so fettleibig und schwerfällig sind wie ihre Bewohner.
1980 war die EUROPA mit rund 38.000 Tonnen schon ein ziemlich großer Brummer. Heute wirken 200 Meter Länge auf den Pöbel eher mitleiderregend. Aber jetzt wie einst, zählt beim aufmerksamen Publikum Klasse und nicht Masse. Immerhin präsentiert die Reederei „Croisieres de France", kurz CDF, den alten Dampfer auf ihrer Webseite, wie es einem Flaggschiff zukommt. Mit der eleganten Bemalung, dunkelblau / weiß, sieht die „BLEU DE FRANCE" sogar schicker aus, als in ihrem früheren Leben, mit den albernen Hapag Lloyd - Rallystreifen.

MS EUROPA, Baunummer 1001 der Bremer Vulkan Werft, 1980.

Nebenbei : Das ist schon die zweite EUROPA, die sich die Franzosen unter den Nagel gerissen haben. Nummer eins war der Schnelldampfer EUROPA von 1929. Seinerzeit, das Modernste, Schnellste und mit das Größte, was durch den Atlantik fräste. Ihre schnittige Form war für die nächsten 30 Jahre im Passagierschiffsbau richtungsweisend. Der internationale Jetset schätzte an Bord das gediegene Ambiente und den sagenhaften Lloydservice. Der U.S.- amerikanische Jetset, den Schnaps, der Zuhause verboten war. Wegen einiger außenpolitischer „Ungereimtheiten", zwischen 1939 und 1945, wurde die EUROPA als Passagierdampfer aus dem Verkehr gezogen, bekam dann einen kurzen Job bei der US Navy und landete schließlich als Luxusliner bei der "Compagnie Generale Transatlantique", kurz CGT. Die Namensgebung war damals glücklicher gewählt als später bei der CDF und so französisch wie nur irgendmöglich : Die EUROPA hieß nun „LIBERTE´" .

Das war noch Wertarbeit - Schnelldampfer "EUROPA" 1929

Was ansonsten von „Freiheit" im Speziellen zu halten ist, erfahren Sie übrigens auch hier bei GAGA-IBIZA !
Für einen Dampfer ist der Name aber sehr hübsch. Es scheint als hätten die Franzosen eine Schwäche für abgelegte deutsche Dampfer. Nach fast 33 Dienstjahren, also erst 1962, wurde die alte Dame ins Geriatriezentrum für Schiffe, nach La Spezia verbracht und abgewrackt. Man kann sich schwer vorstellen, dass so ein stolzes Schiff dabei nicht ähnliche Empfindungen hat, wie eine sieche Urgroßmutter, die auf dem Sterbelager noch einmal ihr bewegtes Leben revue passieren läßt.

Gediegenes Ambiente, statt Plastik ! Gesellschaftshalle der alten EUROPA.

Die BLEU DE FRANCE ist nun auch schon 30 geworden. Wenn man auf alten Aufnahmen so sieht, in welch geschmackvoller Umgebung sich der zahlungs- kräftige Fahrgast bewegen durfte, drückt es schon aufs Gemüt, womit sich der Kreuz- fahrer heute behelfen muss. Immerhin setzt sich der klassische Stil langsam wieder durch. Auf der BLEU DE FRANCE läßt es sich wohl aushalten. Außerdem ist das Mitfahren auf ihr besser als zu schwimmen..... GAGA-IBIZA wünscht der teutschfranzösischen Madame allzeit glückliche Reise.

Mehr Plastik als Ambiente, Gesellschaftshalle "BLEU DE FRANCE" , aber imer noch besser, als selber zu schwimmen. Allzeit glückliche Reise !